Wann wird Unzufriedenheit zum Risiko? Sieben Warnsignale
Von Lisa Freytag, Psychologin (M.Sc. Klinische Psychologie)

Fast jede Frau kennt Tage, an denen sie mit ihrem Körper hadert. Das allein ist noch kein Grund zur Sorge. Körperunzufriedenheit gilt aber als einer der wichtigsten Risikofaktoren für gestörtes Essverhalten – und die Zahlen zeigen, wie früh das beginnen kann: In Screenings des Robert Koch-Instituts zeigte etwa jede und jeder fünfte Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren Hinweise auf ein auffälliges Essverhalten.
Wo also liegt die Grenze zwischen „normalem“ Hadern und einem Muster, das du ernst nehmen solltest? Diese sieben Signale helfen bei der Einordnung.
1. Die Gedanken kreisen ständig
Wenn Aussehen, Gewicht oder Essen einen großen Teil deines Tages bestimmen und es dir schwerfällt, an etwas anderes zu denken.
2. Deine Stimmung hängt an der Waage
Ein Wert am Morgen entscheidet, ob der Tag gut oder schlecht wird.
3. Du kontrollierst immer häufiger
Spiegel, Waage, Fotos, Abtasten, enge Kleidung als „Test“ – Kontrolle beruhigt kurz, verstärkt die Unsicherheit aber auf Dauer.
4. Du meidest Situationen
Schwimmbad, Sport, Fotos, Verabredungen zum Essen, Intimität: Wenn dein Leben kleiner wird, weil du dich für deinen Körper schämst.
5. Essen wird zu einem System aus Regeln
Verbotene Lebensmittel, feste Uhrzeiten, Kalorien im Kopf – und starke Schuldgefühle, wenn du eine Regel brichst.
6. Ausgleichen und Kompensieren
Mahlzeiten auslassen, nach dem Essen exzessiv Sport treiben, „sich etwas verdienen müssen“. Spätestens wenn Erbrechen oder Abführmittel ins Spiel kommen, ist ärztliche Abklärung wichtig.
7. Andere machen sich Sorgen
Wenn Freundinnen, Familie oder Partner dich auf dein Essen oder deinen Körper ansprechen, lohnt es sich hinzuhören – auch wenn es unangenehm ist.
Prävention heißt nicht, auf das Schlimmste zu warten. Sondern früh freundlich hinzusehen.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du dich in ein oder zwei Punkten wiedererkennst, ist das ein guter Moment, um hinzuschauen, zum Beispiel in einem kostenlosen Kennenlernen mit mir. Die Selbstreflexion zum Körperbild hilft dir, das für dich einzuordnen.
Wenn mehrere Punkte zutreffen – besonders 5 und 6 – sprich bitte mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt. Anonym und kostenlos berät das Infotelefon Essstörungen des BIÖG (früher BZgA) unter 0221 89 20 31. Psychologische Begleitung ersetzt keine Behandlung.
Quelle: Robert Koch-Institut, KiGGS Welle 2 (2014–2017), SCOFF-Screening: 19,8 % der 11- bis 17-Jährigen mit Hinweisen auf Essstörungssymptome. Screenings überschätzen die tatsächliche Häufigkeit von Essstörungen.
